TREI – Bahnhofstraße – Schärding

Das Projekt umfasst in der Baulücke einen 5-geschoßigen Büroneubau mit Anbindung an den Bestand. Gesamt werden 1.500 m2 Büroflächen und 3.700 m2 Wohnflächen entstehen.
Planung: 2020
Ausführung: 2020-2022
  • TREI-Bahnhofstraße-Schärding
  • TREI-Bahnhofstraße-Schärding
  • TREI-Bahnhofstraße-Schärding
  • TREI-Bahnhofstraße-Schärding
  • TREI-Bahnhofstraße-Schärding
  • TREI-Bahnhofstraße VORHER
  • TREI-Bahnhofstraße NACHHER
  • Alte Molkerei
TREI-Bahnhofstraße-SchärdingTREI-Bahnhofstraße-SchärdingTREI-Bahnhofstraße-SchärdingTREI-Bahnhofstraße-SchärdingTREI-Bahnhofstraße-SchärdingTREI-Bahnhofstraße VORHERTREI-Bahnhofstraße NACHHERAlte Molkerei

Die ehemalige Molkerei Schärding

 

Die Liegenschaft der ehemaligen Molkerei Schärding befindet sich in der Bezirkshauptstadt Schärding. Sie liegt im Stadtteil Allerheiligen zwischen der Bahnhofstrasse und dem Inntalradweg - unweit der Passauer Straße. Oder anders formuliert: zwischen dem Bahnhofsgelände Schärding und dem Pramfluss.

 

Erste Umgestaltung 2014-2015 durch Architekturbüro Sedelmaier

 

Der erste Teil des Gesamtkomplexes wurde vom Büro Sedelmaier in den Jahren 2014-2015 zu einem Schulungszentrum umgestaltet. Gemeinsam mit der Neuerrichtung des Bahnhofgeländes, welches das Visavis des Bauplatzes bildet, ist ein qualitativer Quantensprung für dieses Viertel gelungen.

 

Dazu schrieb die freie Journalistin Andrea Sedelmaier MA folgenden Artikel:

 

Seit 1911 besteht das Gebäude der Alten Molkerei Schärding, das mit einer wechselhaften Geschichte aufwarten kann. Bereits im Jahr 1900 wurde von einigen Bauern aus der Schärdinger Gegend die „Erste Zentral-Teebutter-Verkaufsgenossenschaft“ als Vorläufer des Schärdinger Molkereiverbandes gegründet. 1911 zog dieser Verband in das neu errichtete Verwaltungs- und Produktionsgebäude am Schärdinger Bahnhof ein. Damit beginnt die Erfolgsstory der Schärdinger Molkerei. Bis zu Beginn der 1960-er Jahre wurde 60 % des österreichischen Butterexportes vom Schärdinger Molkereiverband mit seinen Hauptstandorten in Schärding, Linz und Wien getätigt.
Mit dem Zusammenschluss von sechs Molkereiverbänden, an dem sich 1990 auch die Schärdinger Molkerei beteiligte, begann der Niedergang eines Traditionsbetriebes. Von den ursprünglich 27 Standorten der Molkereiverbände mussten auf Grund von Managementfehlern in der Folge 20 geschlossen werden. Auch der Standort Schärding musste aufgegeben werden. Die Liegenschaften samt dem 1911 errichteten Gebäude wurden verkauft. Mehr als zehn Jahre stand die Jugendstilvilla leer – erste Verfallsspuren waren bereits sichtbar.

Im August 2012 begannen die Revitalisierungsmaßnahmen zu dem denkmalgeschützten alten Molkereigebäude. Der neue Besitzer Ferdinand Hasibeder beauftragte den Architekten DI Wolfgang Sedelmaier aus Schärding mit der Instandsetzung der Jugendstilvilla. In enger Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt - und hier vor allem im bestem Einvernehmen mit Mag. Julia Schober - wurde das ehrgeizige Projekt umgesetzt.

Zunächst galt es alle von den Baumaßnahmen betroffenen Bau- und Ausstattungsteile gegen Beschädigung und starke Verschmutzungen zu schützen. Historische Ausstattungsteile – wie Tore, Türen, Beschläge oder Handläufe – wurden sicher in Verwahrung gebracht.
Die Putzerneuerungen an den historischen Bauteilen wurden nach dem historischen Bestand ausgerichtet und auf Kalkbasis ausgeführt. Die Fassadenfärbelung wurde nach einer in Auftrag gegebenen Farbschichtanalyse angebracht. Die alte Holzveranda konnte zur Gänze fachgerecht saniert werden und auch der Dachstuhl wurde in seinen historischen Konstruktionsteilen erhalten, musste jedoch verstärkt werden. Für die Neueindeckung des Daches wurden Tondachziegel im Biberschwanzformat verwendet.

Der Großteil des vorhandenen historischen Fensterbestandes war nicht mehr reparaturfähig und konnte nur zu einem keinen Teil erhalten werden. Es wurden jedoch die zu erneuernden Fenster den originalen Kastenfernstern nachgebaut. Dafür konnten die hinter Hartfaserplatten verborgenen historischen Türen und Türstöcke gerettet und einer Restaurierung zugeführt werden. Ebenso erhalten wurden die Stiegenläufe mit historischem Stufenbestand aus Holz sowie die Hauptportale samt den Jugendstil-Beschlägen. Im Obergeschoß der Villa sind vor allem die Wandmalereien von Bedeutung. Sie wurden 1952 vom akad. Maler Siegfried Koller – Vater der Künstlerin Dagmar Koller – gefertigt. Diese Fresken waren ebenfalls bereits stark beschädigt und wurden im Auftrag des Bauherrn von den Diplom-Restauratoren Heike & Mag. Christoph Tinzl aus Salzburg wiederhergestellt.

Beim an die Villa anschließenden alten Lagertrakt, der nicht unter Denkmalschutz steht, wurde eine Neuinterpretation des Baukörpers notwendig. In die fensterlosen ehemaligen Kühlräume wurden in regelmäßiger jedoch versetzter Anordnung die Fenster in die Fassade geschnitten. Der Dachboden wurde bei diesem Gebäudeteil zum Vollgeschoß ausgebaut und soll einer Nutzung als Seminar-, Büro- und Wohnflächen zugeführt werden. Die Farbgebung des „neuen“ Teiles ist betont schlicht gewählt, um die Wertigkeit des denkmalgeschützten Teiles noch mehr hervorzuheben.

Eine architektonische Herausforderung stellt der Übergang von Alt auf Neu dar. Diese Gebäudefuge überbrückt eine anthrazitfarbene Stahl-Glas-Konstruktion, hinter der die neue Haupterschließung, die technische Infrastruktur – wie Elektro-und Sanitäreinrichtungen und die EDV- Serverräume untergebracht sind.

Die alten Auffahrtsrampen in das Obergeschoß an der Bahnhofstraße wurden abgebrochen. Mit dieser Maßnahme konnte ein Vorplatz vor der Villa sowie Stellplätze geschaffen werden. Alle Geschoße, sowohl Alt als auch Neu, sind barrierefrei über einen Personenlift erreichbar. Größter Wert wurde auf den barrierefreien Hauptzugang gelegt. Auch der Eingang im Hof ist durch Überbrückung der Bodenniveaus mittels einer flachen Rampe für Rollstuhlfahrer erreichbar.


Andrea Sedelmaier MA
Freie Journalistin

 

Bearbeitung des 2. Teiles 2020-2022 durch ARCHITEKTURBÜRO SEDELMAIER

 

Nun ist für 2020-2022 die Bearbeitung des 2. Teiles der Anlage geplant. Das Projekt umfasst in der Baulücke einen 5-geschoßigen Büroneubau mit Anbindung an den Bestand. Der 3-geschoßige Bestand wird generalsaniert und erhält eine Erweiterung durch ein 4. und 5. Geschoß mit Terrassenwohnungen. 

Gesamt werden 1.500 m2 Büroflächen und 3.700 m2 Wohnflächen entstehen. Die Büroflächen sind vollklimatisiert, belüftet und bieten ein autarkes System ohne Immissionen der Umgebung.
Die Wohnungen werden durch zwei bestehende Treppenhäuser erschlossen, sind süd- oder westorientiert und verfügen großteils über einen freien Blick in das angrenzende Grün der Pramauen.
Richtung Pram werden am ehemaligen Verladeplatz der Molkerei 60 Stellplätze angeboten.