Alte Molkerei Schärding - Bauteil A

Aus einer vormaligen Industrie- und Verwaltungsanlage des OÖ Molkereiverbandes entstanden barrierefreie Mietflächen für Wohnungen und Büros von 60 m² bis 250 m².
Planung: 2012
Ausführung: 2012/2013
Fertigstellung: 2013
  • KW 40
  • Alte Molkerei
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  • Eingang_Neu
  • Stiegenhaus Detail Handlauf
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Revitalisierung der Villa und Umbau des Kühltraktes zur Nutzung als Schulungs- und Seminarräume.

 

2012 – Beginn der Revitalisierungsmaßnahmen der Gebäude der ehemaligen Schärdinger Molkerei. In enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt wurden die historischen Bau- und Ausstattungsteile der Jugendstilvilla erhalten und restauriert.

Zu erneuernde Bauteile wurden nach dem historischen Bestand ausgerichtet bzw. den Originalen nachgebaut. Im Obergeschoß sind vor allem die Wandmalereien, die ebenfalls einer Restaurierung unterzogen werden mussten, von Bedeutung.

Eine architektonische Herausforderung stellt der Übergang von Alt auf Neu dar. Die Gebäudefuge überbrückt eine anthrazitfarbene Stahl-Glas-Konstruktion, hinter der die Erschließung und die technische Infrastruktur untergebracht sind.

 

Dazu schrieb die freie Journalistin Andrea Sedelmaier MA folgenden Artikel:

 

Seit 1911 besteht das Gebäude der Alten Molkerei Schärding, das mit einer wechselhaften Geschichte aufwarten kann. Bereits im Jahr 1900 wurde von einigen Bauern aus der Schärdinger Gegend die „Erste Zentral-Teebutter-Verkaufsgenossenschaft“ als Vorläufer des Schärdinger Molkereiverbandes gegründet. 1911 zog dieser Verband in das neu errichtete Verwaltungs- und Produktionsgebäude am Schärdinger Bahnhof ein. Damit beginnt die Erfolgsstory der Schärdinger Molkerei. Bis zu Beginn der 1960-er Jahre wurde 60 % des österreichischen Butterexportes vom Schärdinger Molkereiverband mit seinen Hauptstandorten in Schärding, Linz und Wien getätigt.
Mit dem Zusammenschluss von sechs Molkereiverbänden, an dem sich 1990 auch die Schärdinger Molkerei beteiligte, begann der Niedergang eines Traditionsbetriebes. Von den ursprünglich 27 Standorten der Molkereiverbände mussten auf Grund von Managementfehlern in der Folge 20 geschlossen werden. Auch der Standort Schärding musste aufgegeben werden. Die Liegenschaften samt dem 1911 errichteten Gebäude wurden verkauft. Mehr als zehn Jahre stand die Jugendstilvilla leer – erste Verfallsspuren waren bereits sichtbar.

Im August 2012 begannen die Revitalisierungsmaßnahmen zu dem denkmalgeschützten alten Molkereigebäude. Der neue Besitzer Ferdinand Hasibeder beauftragte den Architekten DI Wolfgang Sedelmaier aus Schärding mit der Instandsetzung der Jugendstilvilla. In enger Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt - und hier vor allem im bestem Einvernehmen mit Mag. Julia Schober - wurde das ehrgeizige Projekt umgesetzt.

Zunächst galt es alle von den Baumaßnahmen betroffenen Bau- und Ausstattungsteile gegen Beschädigung und starke Verschmutzungen zu schützen. Historische Ausstattungsteile – wie Tore, Türen, Beschläge oder Handläufe – wurden sicher in Verwahrung gebracht.
Die Putzerneuerungen an den historischen Bauteilen wurden nach dem historischen Bestand ausgerichtet und auf Kalkbasis ausgeführt. Die Fassadenfärbelung wurde nach einer in Auftrag gegebenen Farbschichtanalyse angebracht. Die alte Holzveranda konnte zur Gänze fachgerecht saniert werden und auch der Dachstuhl wurde in seinen historischen Konstruktionsteilen erhalten, musste jedoch verstärkt werden. Für die Neueindeckung des Daches wurden Tondachziegel im Biberschwanzformat verwendet.

Der Großteil des vorhandenen historischen Fensterbestandes war nicht mehr reparaturfähig und konnte nur zu einem keinen Teil erhalten werden. Es wurden jedoch die zu erneuernden Fenster den originalen Kastenfernstern nachgebaut. Dafür konnten die hinter Hartfaserplatten verborgenen historischen Türen und Türstöcke gerettet und einer Restaurierung zugeführt werden. Ebenso erhalten wurden die Stiegenläufe mit historischem Stufenbestand aus Holz sowie die Hauptportale samt den Jugendstil-Beschlägen. Im Obergeschoß der Villa sind vor allem die Wandmalereien von Bedeutung. Sie wurden 1952 vom akad. Maler Siegfried Koller – Vater der Künstlerin Dagmar Koller – gefertigt. Diese Fresken waren ebenfalls bereits stark beschädigt und wurden im Auftrag des Bauherrn von den Diplom-Restauratoren Heike & Mag. Christoph Tinzl aus Salzburg wiederhergestellt.

Beim an die Villa anschließenden alten Lagertrakt, der nicht unter Denkmalschutz steht, wurde eine Neuinterpretation des Baukörpers notwendig. In die fensterlosen ehemaligen Kühlräume wurden in regelmäßiger jedoch versetzter Anordnung die Fenster in die Fassade geschnitten. Der Dachboden wurde bei diesem Gebäudeteil zum Vollgeschoß ausgebaut und soll einer Nutzung als Seminar-, Büro- und Wohnflächen zugeführt werden. Die Farbgebung des „neuen“ Teiles ist betont schlicht gewählt, um die Wertigkeit des denkmalgeschützten Teiles noch mehr hervorzuheben.

Eine architektonische Herausforderung stellt der Übergang von Alt auf Neu dar. Diese Gebäudefuge überbrückt eine anthrazitfarbene Stahl-Glas-Konstruktion, hinter der die neue Haupterschließung, die technische Infrastruktur – wie Elektro-und Sanitäreinrichtungen und die EDV- Serverräume untergebracht sind.

Die alten Auffahrtsrampen in das Obergeschoß an der Bahnhofstraße wurden abgebrochen. Mit dieser Maßnahme konnte ein Vorplatz vor der Villa sowie Stellplätze geschaffen werden. Alle Geschoße, sowohl Alt als auch Neu, sind barrierefrei über einen Personenlift erreichbar. Größter Wert wurde auf den barrierefreien Hauptzugang gelegt. Auch der Eingang im Hof ist durch Überbrückung der Bodenniveaus mittels einer flachen Rampe für Rollstuhlfahrer erreichbar.


Andrea Sedelmaier MA
Freie Journalistin

 

Medienecho:

Schärdinger Tips - 25.06.2013

Rieder Schärdinger Magazin - 25.06.2013

Rieder Schärdinger Magazin - 14.05.2013

Schärdinger Rundschau - 22.11.2012